07 MAI 18 REIFEPROZESS AM FRÜHEN ABEND BEENDET




Mehr durch Zufall wurde der Reifungsvorgang heute am frühen Abend während eines Telefonats mit meinem Freund Helge beendet. Ein Kreis hat sich geschlossen und ich bin an die Initialzündung des Trickfilms zurückgekehrt. Mir war plötzlich völlig klar, dass ich wohl schon seit Beginn die analytisch-ordnende und die chaotisch-beitragende Kraft gegeneinander losgelassen habe, weil mich deren Zusammenspiel interessiert hat.

Rückblickend zum März war die Entscheidung, die Zeit arbeiten zu lassen, wohl getroffen, denn der Film steht im Moment am Definitionspunkt seines eigenen Spannungsfeldes. Die chaotisch-beitragende Kraft bemüht sich derzeit aus Leibeskräften, den Rückschlüssen der analytisch-ordnenden Kraft Folge zu leisten. Was wie eine Zerstörung und ein stürmisches Untergraben der Ordung wirkt, ist letztlich der Beitrag des Individuums innerhalb eines Regelwerks und somit der Ausdruck von Kreativität.

Das Hoffnungsszenario, wie es sich mir nun einleuchtet, ist die völlige Neuerfindung der Ausgangsform. Es geht um die kontinuierliche Umstrukturierung oder wie sich mir heute aufdrängte: Energielockerung und -umverteilung.

Mir wurde bereits vorgehalten, ich würde mich mit diesem Film selbst therapieren. Selbstverständlich bin ich auch persönlich am Zusammenwirken und der Beziehung dieser beiden mein Leben bestimmenden Kräfte interessiert. Ich erhoffe mir durch die Untersuchung in Filmform eher Erweiterung der Wahrnehmung denn Erheiterung meines eigenen Horizonts.

07 MAI 01 DIE GANZ NORMALE BAUSTELLE















Nach der Umbaupause liegen die sauber zusammengelegten Einzelteile des Trickfilms zum erneuten Ausbreiten bereit. Die restlichen Nadeln werden aus den Tüten befreit und die einzelnen Zweige werden erneut im Ordnungsstrudel ausgelegt. Der Projektor wird von seiner Lagerposition unter der Decke wieder abgelassen. Tatsächlich habe ich die Reproduktion der letzten aktuellen Einstellung als weniger mühevoll eingeschätzt. Es wird noch einige Stunden kosten, das Set in einen Zustand zu versetzen, mit dem ich wieder arbeiten kann.

Die Zwischenzeit, Wartezeit und Reifezeit habe ich unter anderem zu einer Kameraneuanschaffung genutzt. In der Euphorie des Verabschiedungs- und gleichzeitigen Begrüßungsrituals hatte ich die alte Kamera in den Zustand ihrer Werksauslieferung versetzt und mich noch im tiefen Tal der grünenden Zufriedenheit befunden, als mir klar wurde, dass die neue Kamera über einige neue Funktionen verfügt, über eine bestimmte aber eben auch nicht. Der Look des Films wird durch seine rötliche Körnigkeit bestimmt, die auch bis zum Ende durchgehalten werden soll. Bisher geschah dies direkt in der Kamera mit gespeicherten Farbkorrekturen. Ich habe mir nun also ein baugleiches Modell der alten ausgeliehen, um wenigstens besagte MyColors-Funktion nutzen zu können, doch muss ernüchtert feststellen, dass akzeptabler Aufwand nicht mehr ausreichen wird, die spezifischen Einstellungen, die ich für den Film gemacht hatte, zu reproduzieren. Ab jetzt werde ich also auf die digitalen Nachbearbeitungsmöglichkeiten des PCs angewiesen sein.

Aus Künstlerkreisen wird mein Missgeschick jedenfalls schon pragmatisch kommentiert: "Vielleicht hilft es dem Film."